Diese Website verwendet Funktionen, die Ihr Browser nicht unterstützt. Bitte aktualisieren Sie Ihren Browser auf eine aktuelle Version.
Aus der HOCH

Telemedizin: Nähe trotz Distanz

Text: Sabine Monthaler-Hechenblaikner | Fotos: Gerhard Berger

Das Smartphone als digitaler Begleiter vor und nach Transplantationen: Die an der Innsbrucker Klinik entwickelte ModularisApp integriert Telehealth direkt in den Alltag. Jederzeit und überall.

Auf dem Handy von Sonja H. poppt eine Nachricht auf: „Einnahme Medikament“. Die ModularisApp meldet sich wie jeden Tag um 8 Uhr morgens. Was wie eine einfache Erinnerung klingt, ist für die 42-jährige Oberösterreicherin lebenswichtig. Vor vier Wochen erhielt Sonja eine neue Leber in der Innsbrucker Klinik. Nun ist sie wieder zuhause und doch eng mit dem Transplantationsteam in Innsbruck verbunden.

Die App ermöglicht hier schnell und unkompliziert mit uns in Kontakt zu treten und unterstützt beim Selbstmanagement.

Hanna Bernögger

NEUE APP IM EINSATZ

Möglich macht das die ModularisApp, über die Sonja betreut wird. Die Anwendung erinnert sie an die Medikamenteneinnahme, dokumentiert Werte, strukturiert Rückmeldungen zu Symptomen und ermöglicht einen direkten Kontakt via Chat zur Transplantationschirurgie. Hanna Bernögger, diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegerin an der Transplant-Station, betreut die App und ist die erste Ansprechperson für die Patient:innen vor und nach der Operation. Als Advanced Practice Nurse (APN) hat sie nicht nur die App maßgeblich mitentwickelt, sondern ist auch Schnittstelle zwischen Patient:innen, Pflege, Medizin und anderen Professionen.

IMMER IN KONTAKT

„Bei einer Transplantation sind viele Betroffene verunsichert. Es tauchen zahlreiche Fragen im Alltag auf, wenn niemand zur Seite steht“, erklärt die Pflegeexpertin Bernögger. „Die App ermöglicht hier schnell und unkompliziert mit uns in Kontakt zu treten, geprüfte Fachinformationen nachzulesen oder Trainings zu absolvieren. Sie unterstützt beim Selbstmanagement.“

STÄRKUNG DER EIGENEN KOMPETENZ

Bereits bei der Erstvorstellung in der Transplantationskoordination können Betroffene in das TelehealthProgramm aufgenommen werden. Ab diesem Zeitpunkt erfolgt eine strukturierte Begleitung als Vorbereitung zur OP bis zur Transplantation. Nach der Operation werden sie dann bis zu sechs Monate betreut. Derzeit läuft die Pilotphase, begleitet wird sie von einer Machbarkeitsstudie des Landesinstituts für Integrierte Versorgung (LIV) und der Medizinischen Universität Innsbruck (MUI).

Seit Ende Jänner 2026 arbeitet das Transplant-Team nun mit Modularis. Entwickelt als Pilotprojekt für Transplantpatient:innen soll es später auch in anderen Fachbereichen zum Einsatz kommen.

WENIGER WEGE, MEHR UNTERSTÜTZUNG

Patientin Sonja gibt jeden Tag ihre Werte in die App ein: Blutdruck, Gewicht, Körpertemperatur, Puls, Bauchumfang. Die Daten erscheinen in Echtzeit bei Hanna Bernögger, die engmaschig monitort. Weichen die Werte ab, reagiert sie: „Ich kontaktiere den zuständigen Arzt und die Patientin, und wir besprechen die weiteren Schritte“, gibt Bernögger Einblick. „Bei Bedarf schicken wir sie zur weiteren Abklärung an die Klinik oder zum Behandlungsteam vor Ort.“

„Unsere Patientinnen und Patienten kommen aus ganz Österreich, viele von ihnen haben weite Anfahrtswege. Die Modularis-App ist eine wertvolle Ergänzung zur bestehenden Vor-Ort-Betreuung“, bestätigt Thomas Resch, Oberarzt an der Klinik für Viszeral-, Transplantations- und Thoraxchirurgie (VTT) Innsbruck.

VIELE EXPERTISEN IN APP VEREINT

Die Entwicklung der App war für Hanna Bernögger eine besondere Erfahrung: „Gemeinsam mit verschiedenen Professionen haben wir überlegt, welche Informationen für die Patient:innen wichtig sind, um ihre eigenen Kompetenzen zu stärken. Gleichzeitig mussten wir interdisziplinär und interprofessionell agieren“, erzählt die Diplompflegerin. Zwei Jahre lang tüftelte sie mit einem Projektteam, bestehend aus der Assistenz der kaufmännischen Geschäftsführung, der IT-Abteilung der tirol kliniken sowie externen Partnern an der App. Zur Erstellung der Inhalte holten sie verschiedene Berufsgruppen mit ins Boot: von der Pflege der VTT über die Ärzteschaft unter Leitung von Thomas Resch bis hin zu Physiotherapeut:innen, Diätolog:innen, Psycholog:innen und Psychiater:innen. Auch Bernöggers Teamkolleg:innen und die Stationsleitung unterstützten die Umsetzung des innovativen Versorgungsmodells: „Das Projekt wurde nur durch das große Engagement des Projektteams, der transplantationschirurgischen Station und aller beteiligten Berufsgruppen Realität“, betont Hanna Bernögger.

MODULARIS

Die Modularis-App basiert auf dem Konzept der modularen Telemedizin von Bernhard Pfeifer (UMIT Tirol) und besteht – wie der Name schon sagt – aus mehreren Modulen. Dazu zählen unter anderem die Patient:innenedukation, die Vitalzeichenüberwachung, das Symptomtagebuch, eine Kommunikationsplattform sowie Funktionen zum Datenexport. Nutzer:innen erhalten wöchentlich neue Inhalte und Aufgaben, die sie schrittweise bearbeiten können. Im Dashboard werden dokumentierte Daten wie Blutdruck, Temperatur oder Bauchumfang in einer 7-TagesAnsicht dargestellt. Alle Informationen unterliegen den strengen Auflagen des klinischen Datenschutzes. Der Aufbau der Module ist so gestaltet, dass sie sich auch auf andere Fachbereiche übertragen lassen.

Das war der Artikel

Telemedizin: Nähe trotz Distanz

aus dem Magazin "HOCH3" der tirol kliniken