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Aus der HOCH

Notfall Netzhaut

Redaktion: Michaela Speckbacher | Textassistenz: KI Fotos: Gerhard Berger

Wenn die Netzhaut reißt oder sich ablöst, zählt jede Minute, sonst droht die Erblindung auf dem betroffenen Auge. Als Markus Wackerle beim Einschlafen im Dezember 2023 einen Lichtblitz im geschlossenen Auge sieht, ist ihm noch nicht klar, dass die Zeit von diesem Moment an tickt. Eine OP in der Augenklinik konnte seine Sehkraft erhalten. HOCH³ hat mit dem Unternehmer über seine Geschichte gesprochen.

Netzhautexperte Matus Rehak leitet seit 2025 die Augenklinik.

Drei Jahre nach seiner ersten Netzhautablösung kommt Markus Wackerle wieder einmal zur Kontrolle in die Innsbrucker Augenklinik. Die Operation von damals blieb nicht die einzige: Insgesamt fünf Eingriffe an beiden Augen liegen inzwischen hinter dem Seefelder. Die Untersuchung beginnt mit den üblichen Routinetests. Die Optikerin führt Wackerle zum OCT-Gerät, wo ein feiner Lichtstrahl die Netzhaut Schicht für Schicht erfasst und abbildet. Eine Tür weiter folgt ein klassischer Sehtest mit Zahlen und Buchstaben, der ebenso routiniert abläuft. Danach geht es für den 54-Jährigen zur Besprechung mit Matus Rehak, dem Direktor der Augenklinik. Der Mediziner ist aus persönlicher Erfahrung mit Netzhauterkrankungen in der eigenen Familie zur Augenheilkunde gekommen und prägt die Klinik seit 2023 mit klaren Visionen: höchste chirurgische Qualität, ein starker Fokus auf Digitalisierung und Telemedizin sowie großes Engagement, die Augenklinik nachhaltiger zu machen, motivieren sein Handeln.



EIN LICHTBLITZ ALS WARNSIGNAL

Ich hab' sofort gemerkt: Die wissen, was sie tun.

Markus Wackerle

Am Morgen nach dem Lichtblitz fuhr der Unternehmer zu seiner Augenärztin. Sie schickte ihn ohne Umwege in die Augenklinik. Die Untersuchungen dort bestätigten die Diagnose der Ärztin: Netzhautablösung, in der Fachsprache „Ablatio retinae“ genannt. Rund 300 Betroffene werden in Innsbruck jährlich behandelt. Die eingespielte Notfallkette der Augenklinik setzte sich sofort in Gang und Wackerle wurde noch am selben Abend vom Netzhautspezialisten Matus Rehak operiert. „Alles ging so schnell, aber gleichzeitig war alles gut organisiert. Ich hab‘ sofort gemerkt: Die wissen, was sie tun“, erinnert er sich an die aufregenden Stunden. „Ich hab‘ nur noch kurz meiner Familie Bescheid gesagt, wo ich bin und dann ging’s gleich los!“

OP IM WACHZUSTAND

95 % aller Augenoperationen werden in Innsbruck als Wach-OP durchgeführt.

95 % aller Augenoperationen werden in Innsbruck als Wach-OP durchgeführt. Das heißt, die Patient:innen sind bei Bewusstsein und müssen teilweise auch „mitarbeiten“, indem sie Anweisungen befolgen. Diese Art der Augenchirurgie erfordert höchste Präzision und perfekt abgestimmte Zusammenarbeit. Die OP-Pflege und das ärztliche Personal arbeiten nach höchsten Standards. Fixierung, lokale Betäubung, klare Kommunikation und gleichzeitig ein Umfeld, das Ruhe vermittelt: „Die waren alle so aufmerksam. Ich habe mich zu jedem Zeitpunkt in guten Händen gefühlt“, erzählt Markus Wackerle von seiner Erfahrung. Er kann sich noch gut an die Eindrücke während der OP erinnern.

PRÄZISION IM MIKROSKOP

Die Netzhaut hatte damals zwei Risse und ich habe das Auge mit Öl stabilisiert.

Matus Rehak

„Die Netzhaut hatte damals zwei Risse und ich habe das Auge mit Öl stabilisiert“, erklärt Matus Rehak. Das Operieren zählt zu seinen liebsten Tätigkeiten als Arzt. Extreme Kurzsichtigkeit bringt ein erhöhtes Risiko für eine Netzhautablösung mit sich, so war es auch bei Markus Wackerle. Den präzisen chirurgischen Eingriff in den filigranen Strukturen des Auges führt Matus Rehak über ein Mikroskop durch. Seine herausragenden Fähigkeiten hat der 46-jährige Wahl-Stubaier während seiner beruflichen Laufbahn perfektioniert.

PFLEGE IM OP

Während einer Augenoperation spielt auch die OP-Pflege eine tragende Rolle. „In Innsbruck finden jedes Jahr über 15 000 Operationen auf der Augenklinik statt. Wir haben ein sehr vielfältiges und spannendes Arbeitsgebiet“, so die Leitende OP-Pflegerin Dimitrinka Nikolova. „Wir bereiten nicht nur alle Instrumente vor, sondern sorgen dafür, dass der Ablauf flüssig und sicher ist.“ Während der Chirurg fokussiert ist und operiert, hält die Pflege den Blick auf das große Ganze: Überwachung, sterile Umgebung, Kommunikation.

KOMPLIKATIONEN AUGENDRUCK

Kurz nach der ersten Operation von Markus Wackerle stieg der Augendruck auf dem betroffenen Auge an – eine ernsthafte und schmerzvolle Komplikation. Doch auch dafür ist die Augenklinik bestens vorbereitet. Eine zweite OP folgte schnell, um den Druck zu senken. Eine Woche blieb Markus Wackerle damals stationär. Er musste viel Zeit in Bauchlage und danach drei Wochen zu Hause in Dunkelheit verbringen. „Aber wenn es um das Augenlicht geht, bringt man diese Opfer gern“, sagt er rückblickend. Immerhin 40 % der Sehkraft konnten durch den Eingriff erhalten werden.

DAS ZWEITE AUGE IST BETROFFEN

Matus Rehak - das Operieren zählt zu seinen liebsten Tätigkeiten als Arzt.

Am 4. Februar 2025 trifft es das zweite Auge. Als er den Blitz sieht, weiß Markus Wackerle sofort, was los ist, und fährt gleich in die Klinik. Wieder kommt er schnell in den OP. Diesmal tauscht die operierende Ärztin vorsorglich auch die Linse des Auges, ein Eingriff, der viel Erfahrung erfordert – eine Erfahrung, die im Team der Augenklinik reichlich vorhanden ist. Im Jänner 2026 folgt noch der Linsentausch im ersten Auge.

ENTWARNUNG BEIM KONTROLLTERMIN

Beim Kontrolltermin bespricht Klinikdirektor Matus Rehak die OCT-Bilder und die Ergebnisse des Sehtests. Er nimmt sich Zeit, erklärt verständlich, deutet auf Strukturen, die nur Expert:innen erkennen. Seine ruhige Art gibt Sicherheit, und er ist mit der Entwicklung sehr zufrieden. „Ihre Netzhaut ist stabil“, sagt er schließlich. Ein Satz, der für Wackerle viel bedeutet. Als er die Klinik verlässt, wartet draußen die helle Tiroler Wintersonne. Er blinzelt, lächelt. „Sehen ist etwas, das man erst wirklich schätzt, wenn es plötzlich weg ist“, sagt er.

Immer die Ressourcen im Auge

Die Augenklinik arbeitet kontinuierlich daran, dass Aufwand, Verbrauch und Wege optimiert werden:

• Wenn möglich, beide Augen bei Katarakt (Grauer Star) in einem Termin operieren, spart An- und Abreisen

• Telemedizinprojekte umsetzen

• Verpackungsmengen und Abfall im OP reduzieren

• Einsatz von umweltfreundlichen und verbesserten Gasen im OP

Bei über 15 000 Operationen pro Jahr wirkt sich jede Optimierung unmittelbar aus.

Das war der Artikel

Notfall Netzhaut

aus dem Magazin "HOCH3" der tirol kliniken