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Aus der HOCH³-Ausgabe "Netz", April 2026

Sicher? Ganz sicher!

Text: Teresa Lackner-Pöschl | Fotos: Gerhard Berger

Feuer auf Station oder Säuren im Labor – Günter Pfaringer und Michael Wallenta können auf ihr Team zählen, wenn es heißt: Sicherheit geht vor. In ihrem Arbeitsalltag steht dabei die Vorsorge an erster Stelle. Denn die Stabsstelle Sicherheitstechnik spannt ein breites Sicherheitsnetz für den Ernstfall auf. Die HOCH³ hat den beiden über die Schulter geschaut.

Tiefgarage, Untergeschoß der Frauen- und Kopfklinik, 14:36. Der Nebel ist so dicht, dass man die Hand vor den Augen kaum erkennt. Undeutlich ist der Umriss eines Körpers am Boden zu erkennen, er bewegt sich nicht. Auch die Lichter der Notausgänge sind kaum zu sehen. Orientierungslosigkeit und leichter Schwindel trüben die Wahrnehmung. Man hört Piepsen und Rauschen von Funkgeräten. Journaldienst, Berufsfeuerwehr und die hauseigene Brandschutztruppe arbeiten Hand in Hand. Michael Wallenta ist per Funk mit Günter Pfaringer im Austausch. Was ist passiert?

SICHERHEIT IST TEAMWORK

Ein paar Tage zuvor im Büro der Sicherheitstechnik am Landeskrankenhaus Innsbruck: Günter Pfaringer erzählt von seinen Anfängen in den tirol kliniken 1984 als Trainee im Bereich technischer Strahlenschutz und Arbeiternehmer:innenschutz. Auch der Brandschutz fiel in die Zuständigkeit der damals noch als „Sicherheitstechnischer Dienst“ bezeichneten Abteilung. Seit 1997 ist auch Michael Wallenta im Team und mit der Zahl der Mitarbeiter:innen wuchs das Leistungsspektrum: Die Adminis- tration im Strahlenschutz, der Flugplatzbetrieb, der Katastrophenschutz und seit 2020 auch das Securitymanagement sind inzwischen weitere Kernaufgaben. „Die Fußball-EM 2008 war Anlass, unser Krisenmanagement nach den staatlichen Vorgaben des Katastrophen- und Krisenmanagements neu aufzubauen“, erinnert sich Günter Pfaringer, Abteilungsleiter der Sicherheitstechnik.

Jede und jeder im Team trägt Verantwortung. Wir verlassen uns aufeinander.

Michael Wallenta

Sein Stellvertreter Michael Wallenta ergänzt: „Wann muss ich wen informieren? Wie gehen wir mit einem Großschadensereignis mit vielen Schwerverletzten um? Wie schauen unsere Alarmierungswege im Fall einer Naturkatastrophe oder einer Pandemie aus? Auf diese und viele andere Fragen gibt es klare Antworten in unserem Krisenmanagement.“ Die Abteilungsleitung koordiniert alle Bereiche, die beiden Männer werden aber nicht müde, ihr Team in den Fokus zu stellen: „Jede und jeder trägt Verantwortung im jeweiligen Bereich. Wir verlassen uns aufeinander.“



BRAND AUS

Zurück in der Tiefgarage: Gänsehaut, ein starker Luftsog entsteht, als die großen Ventilatoren den Rauch aus der Tiefgarage der Frauen- und Kopfklinik treiben. Aus dem dichten Nebel tauchen Feuerwehrmänner auf und steuern auf den reglosen Körper am Boden zu. Langsam werden auch wieder Umrisse der Umgebung klarer. Menschen in Journaldienst-Kleidung und Warnwesten werden sichtbar, die Gespräche lauter. Die Stimmung ist entspannt, denn Grund für Rauch und Einsatzkräfte war zum Glück kein Feuer, sondern eine realitätsnahe Übung für den Ernstfall. Überall zufriedene Gesichter: Alarmierung, Bergung und die technischen Anlagen haben bestens funktioniert.



ÜBUNG FÜR DEN ERNSTFALL

Echtes Feuer ist im Krankenhaus glücklicherweise selten: „Übungen wie diese sind wichtig, damit interne Abläufe unserer speziell geschulten Brandschutzgruppe und die Zusammenarbeit mit den externen Einsatzorganisationen gut funktionieren“, hält Übungsleiter Michael Wallenta fest. Der wichtigste Hebel im Brandschutz sind aus Sicht der Sicherheitstechnik allerdings die Mitarbeiter:innen der Stationen und Ambulanzen. „Wir hatten es schon öfter, dass die Pflege als erstes mit dem Feuerlöscher zur Stelle war und das Schlimmste verhindern konnte“, erzählt Günter Pfaringer. Die Ausbildung der Mitarbeiter:innen sehen die beiden als eine der zentralen Aufgaben im Brandschutz. „Pro Jahr nehmen rund 750 Personen an unseren Löschhilfe-Schulungen teil. Zusätzlich bieten wir E-Learnings zum Thema an.“

18 500 BRANDMELDER

Schulung und Aufklärung ist das eine, technische Anlagen das andere: Rund 18 500 automatische Brandrauchmelder sind praktisch vollflächig am Klinikareal verteilt und alarmieren, sobald irgendwo Rauch aufsteigt. Wie Wasseradern durchziehen automatische Sprinkleranlagen die neueren Gebäude und auch hochmoderne HochdruckWassernebellöschanlagen gehören zu den technischen Brandschutzanlagen. „Was die technischen Anlagen betrifft, arbeiten wir als Abteilung hier auch sehr eng mit dem Technischen Servicezentrum zusammen“, betont Pfaringer.

UNFÄLLE, SÄUREN, INFEKTIONEN

Wir decken die technische Seite ab und arbeiten hier sehr gut mit der Arbeitsmedizin zusammen.

Günter Pfaringer

Ein wichtiges Arbeitsfeld der Abteilung ist auch der Arbeitnehmer:innenschutz. Denn die Arbeit in einem Krankenhaus birgt Risiken – zum Beispiel im Umgang mit Gefahrstoffen, Infektionskrankheiten oder anderen Unfallgefahren. Hier ist die Sicherheitstechnik in Innsbruck für die mehr als 9 500 Mitarbeiter:innen der tirol kliniken an allen Standorten zuständig und evaluiert und erarbeitet regelmäßig Sicherheitskonzepte. „Das ist ein sehr vernetztes Arbeiten“, betont Pfaringer. „Wir decken die technische Seite ab und arbeiten hier sehr gut mit der Arbeitsmedizin zusammen.“

ERFOLGREICH EVALUIERT

Kürzlich abgeschlossen wurde die Evaluierung des Patiententransport-Services, hier standen Unfallgefahren beim Bettentransport oder auch die Infektionsgefahr beim Kontakt mit Patient:innen im Fokus. Bei der Evaluierung in den Laboren hat man sich unter anderem mit dem Umgang und der Lagerung der rund 8 000 verwendeten Chemikalien und Zubereitungen auseinandergesetzt. Wie in allen Bereichen ist auch hier die Kommunikation ein zentraler Punkt: „Die Kenntnis sogenannter ‚BeinaheFehler‘ ist für uns ganz wichtig, weil dadurch herausgearbeitet werden kann, wo es Schwachstellen gibt. Dann können wir Veränderungen in Gang setzen, bevor etwas Gravierendes passiert.“

SICHERHEITSTECHNIK, BITTE KOMMEN!

Tiefgarage, 15:47. Inzwischen hat sich der Rauch in der Garage verzogen. Das Licht ist wieder an und die Ventilatoren ausgeschaltet. Jetzt heißt es: Nachbesprechen und Bericht verfassen. Eine ehrliche Auseinandersetzung mit den Geschehnissen und ein Lernen aus Fehlern ist der Grundstein für ein engmaschiges Sicherheitsnetz – nur so lassen sich Gefahrensituationen bestmöglich ausschließen, sind sich Pfaringer und Wallenta einig. Ihre Funkgeräte stecken wieder in der Ladestation und warten auf den nächsten Einsatz. Wenn es wieder heißt „Sicherheitstechnik, bitte kommen!“

Stabstelle Sicherheitstechnik

Leitung: Günter Pfaringer

Aufgabenbereiche:

Arbeitnehmer:innenschutz Schutz aller Mitarbeiter:innen der tirol kliniken vor Unfallgefahren und Gesundheitsrisiken im Krankenhaus.

Brandschutz

* Vorbeugender Brandschutz (Mitgestaltung der baulichen Erfordernisse, Brandabschnitte, Fluchtwege, etc.)

* Technischer Brandschutz (Brandmeldeanlagen mit 18 500 Brandrauchmeldern, autom. Sprinkler-/Löschanlagen, 2 500 Handfeuerlöschern, 750 Wandhydranten, etc.)

* Organisatorischer Brandschutz (Brandschutzkonzepte, Löschhilfeschulungen, interne BS-/Einsatz- Organisation mit dem Journaldienstteam und der Brandschutzgruppe, etc.)

Administrativer Strahlenschutz in Zusammenarbeit mit dem Institut für Strahlenschutz und Dosimetrie

Katastrophen- und Krisenmanagement

Hubschrauberflugplatz (Sicherheits-)Technische Betriebsführung, Koordination der Patient:innen-Übernahme

Securitymanagement Objektschutz, Personenschutz, Kriminalprävention

Das war der Artikel

Sicher? Ganz Sicher!

aus dem Magazin "Hoch3" der tirol kliniken