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Aus der HOCH³-Ausgabe "KLIMA", Juli 2025

RAUM für Menschen

Gesundes Raumklima für Mensch und Umwelt

Healing Architecture

Ein heller Flur, freundliche Farben, der Blick ins Grüne – wer die Kinder- und Jugendpsychiatrie in Hall betritt, merkt schnell: Hier ist etwas anders. Die Atmosphäre wirkt ruhig und offen, fast wohnlich. Genau das war das Ziel der tirol kliniken: ein Gebäude zu schaffen, das jungen Patient:innen Halt gibt und den Mitarbeiter:innen den Alltag erleichtert. Das Architekturkonzept dahinter heißt „Healing Architecture“ – und es beeinflusst weit mehr als nur die äußere Gestaltung.

Ein Artikel von Michaela Speckbacher

ARCHITEKTUR, DIE MITHEILT

„Studien zeigen, dass Räume die Heilung von Patient:innen und das Wohlbefinden von Mitarbeiter:innen maßgeblich positiv beeinflussen können“, sagt Roland Meixner, Leiter der Abteilung Bau und Technik in den tirol kliniken. Das ist keine bloße Behauptung, sondern wissenschaftlich belegt. So zeigt etwa eine Untersuchung von Nyrud et al. (2017), dass

„Studien zeigen, dass Räume die Heilung von Patient:innen und das Wohlbefinden von Mitarbeiter:innen maßgeblich positiv beeinflussen können“, sagt Roland Meixner, Abteilungsleitung Bau und Technik der tirol kliniken

Patient:innen, die in Zimmern mit Tageslicht und Ausblick auf die Natur untergebracht sind, seltener Schmerzmittel benötigen, schneller genesen und sich insgesamt wohler fühlen.

Deshalb wird beim Bauen in den tirol kliniken nicht nur auf Funktionalität, sondern auch gezielt auf die Raumqualität geachtet: Licht, Farben, Orientierung und Akustik spielen eine zentrale Rolle. „Diese Aspekte lassen wir – soweit es die Rahmenbedingungen ermöglichen – in die Planung und Umsetzung unserer Bauprojekte einfließen“, so Meixner.

VORBILD HALL: RÄUME, DIE SICHERHEIT VERMITTELN

Healing Architecture vereint medizinisches Wissen, psychologische Erkenntnisse, architektonisches Feingefühl und Aspekte von klimafreundlichem Bauen. Eduard Widmoser, erfahrener Projektleiter der Abteilung Bau und Technik, teilt diese Überzeugung.

Healing Architecture vereint medizinisches Wissen, psychologische Erkenntnisse, architektonisches Feingefühl und Aspekte von klimafreundlichem Bauen, davon ist Eduard Widmoser, Projektleiter der Abteilung Bau und Technik, überzeugt.

Der gebaute Raum beeinflusst die Psyche – und damit auch den Körper.

Als Verantwortlicher für den Bau der Kinder- und Jugendpsychiatrie hat er gemeinsam mit Primaria Kathrin Sevecke von Anfang an darauf geachtet, dass die Architektur die therapeutischen Prozesse unterstützt. Räume sollten nicht nur funktional sein, sondern auch emotional ansprechen – besonders bei jungen Patient:innen, für die ein Klinikaufenthalt oft mit Angst und Unsicherheit verbunden ist.

Ein zentrales Prinzip ist das Tageslicht. Große Fenster, gezielte Blickachsen ins Grüne und eine bewusste Lichtführung schaffen Rhythmus und Stabilität. Farben werden gezielt eingesetzt: warme Töne für Geborgenheit, kühlere Nuancen für Konzentration. Auch die Akustik wird mitgedacht – durch schallabsorbierende Decken zum Beispiel.

„Und nicht zuletzt geht es um Orientierung. Wer sich in einem Gebäude leicht zurechtfindet, empfindet weniger Stress“,

weiß Widmoser. Unterschiedliche Bodenbeläge, markante Blickpunkte oder sichtbare Wegeführungen geben Patient:innen und Besucher:innen Halt – und dem Personal Sicherheit in der Versorgung.

Kinder- und Jugendpsychiatrie

„Kinder und Jugendliche mit psychischen Erkrankungen brauchen nicht nur therapeutische Angebote, sondern auch Räume, in denen sie sich geborgen fühlen“, sagt Primaria Kathrin Sevecke, Direktorin der KJP.

„Kinder und Jugendliche mit psychischen Erkrankungen brauchen nicht nur therapeutische Angebote, sondern auch Räume, in denen sie sich geborgen fühlen“, sagt Primaria Kathrin Sevecke, Direktorin der Klinik.

„Unsere Architekten wollten die Natur ins Krankenhaus holen. Das ist ihnen sehr gut gelungen. Wie haben eine Umgebung, in der junge Menschen zur Ruhe kommen und sich öffnen können, das ist eine wichtige Basis für unsere Arbeit.“

Innenhöfe und Gärten dienen als geschützte Rückzugsorte. Es gibt Räume für Bewegung und Kreativität, die bewusst so gestaltet wurden, dass sie nicht an ein klassisches Krankenhaus erinnern – sondern an einen sicheren Ort.

NATUR IST TEIL DES KONZEPTS

Grünräume sind in den tirol kliniken kein Beiwerk, sondern ein zentraler Bestandteil der architektonischen Vision. In Hall laden therapeutisch nutzbare Gärten zu Bewegung und Begegnung ein. Auch Mitarbeitende profitieren von großzügigen Ruhezonen im Freien. Im LKH Hochzirl-Natters spielt die umgebende Natur eine ebenso starke Rolle: Die Gebäude fügen sich harmonisch in die Landschaften ein und die Außenbereiche und Sichtachsen schaffen Übergänge zwischen Klinikalltag und Naturerleben.

HOCHZIRL: STRESS, SCHMERZEN UND ÄNGSTE ABBAUEN

Primaria Elke Pucks-Faes, Ärztliche Direktorin am LKH Hochzirl-Natters.

Auch in der Abteilung für Neurologie in Hochzirl wird deutlich, welches Potenzial in Healing Architecture steckt. Projektleiter Thomas Zangerl begleitete den Neubau für neurologisch schwerst betroffene Patient:innen, der seit Ende 2024 in Betrieb ist. Die Umsetzung des Baus erfolgte in enger Abstimmung mit Primaria Elke Pucks-Faes, Ärztliche Direktorin am LKH Hochzirl-Natters.

„Diese schwer betroffenen Patienten und Patientinnen nehmen ihre Umwelt auf eine andere, sehr sensible Weise wahr“,

erzählt die Neurologin, „und die großen Fensterflächen in die Natur und Richtung Stationsstützpunkt sollen den Menschen das Gefühl geben, dass sie nicht allein sind und damit Ängste abbauen."

Ausblick aus dem Neubau der Neurologie in Hochzirl.

Der Blick auf die Natur hat in Hochzirl Vorrang.

Der ganze Standort in Hochzirl ist in den umliegenden Wald eingebettet.

Mehr Natur, weniger Schmerzmittel

"Auch in Studien zeigt sich, dass beim Blick durch ein Fenster ins Grüne Schmerzpatienten und -patientinnen deutlich weniger Schmerzmedikamente benötigen und wesentlich entspannter sind, was zu einer deutlichen Verbesserung der Effekte der Rehabilitationsmaßnahmen führt. Dies zeigt sich vor allem auch bei unseren Patienten und Patientinnen im neuen Überwachungsbereich.“

Der Neubau verbindet modernste pflegerische Infrastruktur mit einer klaren, wohnlich orientierten Gestaltung.

"Mit den klimaaktiv-Standards schaffen wir nicht nur eine gesunde Umgebung für Patient:innen und Mitarbeitende, sondern leisten auch einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz", so Projektleiter der Abteilung Bau und Technik der tirol kliniken, Thomas Zangerl.

„Wir sind sehr stolz auf das Ergebnis mit viel Tageslicht, natürlichen Materialien und Räumen mit Blick in die Natur“, so Zangerl.

KLIMAAKTIV

Alle neuen Bauprojekte der tirol kliniken erfüllen die Vorgaben des klimaaktiv-Standards – üblicherweise in Silber. In Hochzirl konnten erstmals sogar die noch strengeren Kriterien für klimaaktiv Gold eingehalten werden – ein zusätzlicher Qualitätsnachweis für nachhaltiges, zukunft sorientiertes Bauen im Gesundheitswesen. Projektleiter Thomas Zangerl betont:

„Für uns ist es wichtig, dass Nachhaltigkeit und Heilungsförderung Hand in Hand gehen.

Mit den klimaaktiv-Standards schaffen wir nicht nur eine gesunde Umgebung für Patient:innen und Mitarbeitende, sondern leisten auch einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz.“ Bei vielen Projekten stellt zusätzlich eine ökologische Baubegleitung sicher, dass Umwelt- und Nachhaltigkeitsaspekte während der gesamten Bauphase konsequent berücksichtigt und umgesetzt werden.

AUSBLICK HALL: HOLZ FÜR DIE SEELE

Der nächste Meilenstein hinsichtlich Healing Architecture ist in der Abteilung Bau und Technik bereits in Planung: Auf dem Areal des LKH Hall entsteht der Neubau „Haus 2“ auf dem Gelände der Psychiatrie, ein weiteres Projekt mit Vorbildcharakter. Im Fokus steht dabei der Baustoff Holz – nicht nur, aber auch aus ökologischen Gründen.

„Holz schafft eine warmes, beruhigendes Raumklima und entspricht dem Unternehmensziel nachhaltig zu bauen“,

erklärt Roland Meixner. Der Neubau wird mehrere Stationen für Erwachsene mit psychischen Erkrankungen beherbergen – mit offenen Begegnungszonen, geschützten Innenhöfen und einer Architektur, die Rückzug und Beziehung gleichermaßen ermöglicht. In den tirol kliniken entstehen Gesundheitsgebäude, die weit über technische Standards hinausgehen.

Sie verbinden Funktionalität, therapeutische Wirksamkeit und Nachhaltigkeit zu einer Umgebung, die Heilung aktiv unterstützt.

Healing Architecture hat bewiesen, dass Räume zur Genesung und zum Wohlbefinden von Mitarbeitenden beitragen können – indem sie die Bedürfnisse der Menschen in den Mittelpunkt stellen.



Sie haben den Artikel

Raum für Menschen

aus dem Magazin der tirol kliniken HOCH³ (Ausgabe 38) gelesen.

Die gesamte HOCH³ zum Thema "KLIMA" und ausgewählte Artikel finden Sie hier: