Auf der Kinderintensivstation hat der Schlaf in der Therapie eine spezielle Bedeutung. Hier ist der künstliche Tiefschlaf kein Zustand der Erholung, sondern eine medizinisch gesteuerte Ausnahmesituation. Dabei geht es vor allem darum, den Körper mit Medikamenten ruhig zu stellen und schmerzfrei zu halten, um die künstliche Beatmung zu ermöglichen.
Wir versuchen, die Beatmungsdauer so kurz wie möglich zu halten.
Uwe Klingkowski
„Wir sprechen hier von einer tiefen Analgosedierung bei beatmeten Patienten “, erklärt Uwe Klingkowski, Ärztlicher Leiter der Pädiatrischen Intensivstation PICU an der Kinderklinik Innsbruck. Der künstliche Tiefschlaf wird vor allem dann eingesetzt, wenn die Lunge oder das Herz versagen, etwa bei lebensbedrohlichen Erkrankungen, nach schweren Operationen oder bei Schädel-Hirn-Trauma. Dabei geht es oftmals darum, den Körper zu entlasten – immerhin macht allein die Atemarbeit bei kranken Kindern bis zu 25 % der Herzleistung aus. „Damit ein Beatmungsschlauch toleriert wird, muss der natürliche Husten- und Würgereflex ausgeschaltet werden. Das geschieht durch eine Kombination aus Schmerzmitteln und Sedativa", veranschaulicht Klingkowski. Der kindliche Körper wird dabei in eine tiefschlafähnliche Situation versetzt, in der er sich kaum mehr bewegt und der Atemantrieb reduziert wird.
Uwe Klingkowski ist Ärztlicher Leiter der Pädiatrischen Intensivstation PICU an der Kinderklinik Innsbruck.
Der künstliche Tiefschlaf ist eine einschneidende Maßnahme, die vor allem bei langer Dauer auch Risiken birgt. Deshalb wird täglich geprüft, ob ein sogenanntes „Weaning“ – das kontrollierte Aufwachen und Wiedererlernen der Atemarbeit – möglich ist. „Wir versuchen, die Beatmungsdauer so kurz wie möglich zu halten“, betont der Intensivmediziner. Denn jedes Kind soll möglichst schnell wieder selbstständig atmen und zurückkehren zu einem natürlichen Schlaf, der nicht nur schützt, sondern auch heilt.