Die „Mädels“ und „Jungs“ von Karin Herzleier haben nicht zwei, sondern jeweils vier Beine. Wer die energiegeladene LKF-Managerin bei ihren vier Geißen und zwei Noriker-Wallachen auf der Weide erlebt, weiß sofort, dass der Wert ihrer Tiere für die Völserin nicht in Geld aufzuwiegen ist. Beim Thema Krankenanstaltenfinanzierung kann Herzleier den Wert von Leistungen, Punkten, Positionen und korrekt erfassten Daten allerdings genau beziffern. In der Stabstelle für Leistungsorientierte Krankenanstaltenfinanzierung (LKF) sorgt sie dafür, dass die tirol kliniken im ambulanten Bereich für ihre Leistungen Erlöse erhalten – damit genug Geld dort ankommt, wo es gebraucht wird: bei der Versorgung der Patient:innen.
Ich sage, was Sache ist - und ich will, dass die Jungen alles mitbekommen. Nur so bleibt das Wissen erhalten.
Karin Herzleier
Seit 42 Jahren ist Karin Herzleier Teil der tirol kliniken. Was als Tätigkeit im Patient:innenservice begann, entwickelte sich über die Jahre zu einer verantwortungsvollen Führungsposition im LKH Innsbruck für die Abrechnung der ambulanten Leistungen. Seit Anfang 2025 ist ihr Aufgabenbereich in der Stabstelle LKF angesiedelt. Auch in der Altersteilzeit, die vor 2 Jahren begonnen hat, hat Herzleier nach wie vor ein klares Ziel vor Augen: Die Abrechnung ambulanter Leistungen soll durch eine einfachere Dokumentation vor Ort bei der Leistungserbringung und nicht mehr durch ein kompliziertes Regelwerk im Hintergrund erfolgen. Ein großes Projekt, das ihr besonders am Herzen liegt.
„Die Arbeit auf den Stationen und in den Ambulanzen ist unglaublich wertvoll“, sagt Herzleier. „Damit diese Leistungen auch finanziell anerkannt werden, müssen sie korrekt erfasst und abgerechnet werden.“ Genau hier kommt ihr Aufgabenbereich ins Spiel. Die Daten, die von Mediziner:innen, Pflegepersonen und administrativem Personal erfasst werden, bilden die Grundlage dafür, dass die tirol kliniken Geld erhalten. Bei sozialversicherten Patient:innen erfolgt die Vergütung durch den Tiroler Gesundheitsfonds, bei Selbstzahler:innen durch Rechnungslegung. Jeder Punkt oder jede Position zählt – im wahrsten Sinne des Wortes.
Die Arbeit auf den Stationen und in den Ambulanzen ist unglaublich wertvoll.
Karin Herzleier
Wer als sozialversicherte:r Patient:in nach einem Fahrradunfall zum Beispiel mit einer gebrochenen Hand ins Krankenhaus kommt, wird untersucht, wahrscheinlich geröntgt, oft eingegipst und medizinisch aufgeklärt. Im Krankenhaus bekommt man in der Regel keine Leistungsaufstellung und auch keine Rechnung für diese Behandlungen. Trotzdem gibt es diese Auflistungen im Hintergrund.
Damit diese Leistungen auch finanziell anerkannt werden, müssen sie korrekt erfasst und abgerechnet werden.
Karin Herzleier
Wir brauchen auch im ambulanten Bereich ein System, das die tatsächliche Leistung widerspiegelt
Karin Herzleier
Karin Herzleier engagiert sich mit Leidenschaft, um ihre jahrzehntelange Erfahrung weiterzugeben.
Im stationären Bereich – also wenn Patient:innen über Nacht im Krankenhaus bleiben – ist die LKF-Abrechnung seit Jahren etabliert: Im stationären Bereich wird das pauschale Entgelt, das ein Krankenhaus für die Behandlung erhält, durch verschiedene Faktoren wie medizinische Leistungen, Diagnosen oder den beteiligten Fachabteilungen bestimmt. In der Ambulanz läuft die Abrechnung hingegen deutlich anders: Hier wird für jede Leistung – etwa eine Blutabnahme oder ein Beratungsgespräch – eine sogenannte Positionsnummer erfasst. Je nach Versicherungsstatus der Patient:innen, sozialversichert oder Selbstzahler:innen, erfolgt die Abrechnung entweder nach dem LKF-System oder nach der Gebührenverordnung. „Wir brauchen auch im ambulanten Bereich ein System, das die tatsächliche Leistung widerspiegelt“, sagt Herzleier.
Herzleier weiß, wie wichtig es ist, dass junge Kolleg:innen verstehen, wie das System funktioniert. In ihrem Büro, das sie sich mit drei Kolleg:innen teilt, setzt sie auf direkte Kommunikation und praxisnahes Lernen. „Ich sage, was Sache ist – und ich will, dass die Jungen alles mitbekommen. Nur so bleibt das Wissen erhalten.“ Ihr ist es wichtig, ihren Erfahrungsschatz zu teilen und ihr Wissen weiterzugeben. „Ich bin nicht mehr die Jüngste, aber ich habe noch viel vor“, sagt sie mit einem Augenzwinkern.
Viele Kolleg:innen erinnern sich auch an Karin Herzleier als engagierte Betriebsrätin. Mit viel Herz und Organisationstalent hat sie zahlreiche Ausflüge und Reisen geplant, die vielen bis heute in lebhafter Erinnerung geblieben sind. Auch hier zeigte sich ihr Gespür für Gemeinschaft und ihr Einsatz für das Miteinander im Betrieb. Mit Antritt der Altersteilzeit hat sie diese Funktion sowie auch ihre Führungsposition zurückgelegt.
Das Glück der Erde findet Karin Herzleier auch auf dem Rücken ihrer Pferde.
Die Tiere geben mir Ruhe, Kraft und Klarheit.
Karin Herzleier
Vor und nach der Arbeit zieht es Karin Herzleier zu ihren Tieren, jeden Tag mindestens vier Stunden. Die Geißen Hanni, Nanni, Krümel und Heidi begleiten sie oft auf Spaziergängen durchs Dorf, und die Noriker Max und Ramiro freuen sich, wenn Karin mit ihnen an der Longe, einer langen Leine, arbeitet oder Besuch zum Reiten mitbringt. Auch ihr Hund und ihre Katzen sind für die bald 60-Jährige mehr als nur ein Ausgleich – sie sind Teil ihres Lebens. „Die Tiere geben mir Ruhe, Kraft und Klarheit. Und manchmal auch die besten Ideen für die Arbeit“, erzählt sie lachend.
... ich kann dafür sorgen, dass es gut weiter geht.
Karin Herzleier
Als wichtiges Zukunftsprojekt sieht Herzleier die schrittweise Anpassung der Leistungserfassung in den Ambulanzen an die jeweils aktuellen LKF-Modelle. Auch wenn sie weiß, dass die vollständige Umsetzung wahrscheinlich erst nach ihrer Pensionierung erfolgen wird, arbeitet sie mit Nachdruck daran, die nötigen Grundlagen zu schaffen. Dazu gehören klare Prozesse, eine enge Abstimmung mit den Ambulanzen und das Bewusstsein für die Bedeutung korrekter Datenerfassung. „Ich weiß, dass ich nicht alles fertig sehen werde – aber ich kann dafür sorgen, dass es gut weitergeht. Das ist für mich genug.“ Und wenn der letzte Arbeitstag kommt, wird sie mit einem zufriedenen Blick zurückschauen – und mit einem noch ruhigeren Schritt zu ihren Tieren gehen. Denn wer so viel bewegt hat, darf auch loslassen.
Das Team der Stabstelle LKF hat 13 Mitglieder und ist Ansprechpartner für alle Fragen rund um die Leistungsorientierte Krankenanstaltenfinanzierung.
2024:
• knapp 68 000 stationäre Aufenthalte
• von rund 46 000 Personen
• 337 000 medizinische Einzelleistungen
• Rund 262 000 ambulante Patient:innen
• Insgesamt 1,4 Millionen Ambulanzkontakte